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Argumente für und wider des Projekts

Selbstverständlich gibt es wie fast bei jedem Projekt viele Gründe, die für oder gegen ein Projekt sprechen. 
An dieser Stelle führen wir einige Pros und Contras an, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Das spricht dafür:

Einnahmequelle für die Gemeinde
Es kann auch für die nächsten Jahre mit Einnahmen für die Gemeindekasse gerechnet werden. Auch wenn bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie das beim bisherigen Kiesabbau- und Aushubdeponieprojekt der Fall war, weil beim gegenständlichen Projekt die Gemeinde Götzis Grundeigentümer ist und einen wesentlichen Anteil der Erlöse für sich beansprucht.

Sicherung des Betriebsstandortes und der Arbeitsplätze Kopf Kies+Beton
Es ist anzunehmen, dass der Betrieb des neuen Kiesabbau- und Aushubdeponieprojektes einen positiven Einfluss auf den Betriebsstandort und somit auch auf die Arbeitsplätze des Unternehmens Kopf Kies+Beton haben wird. Andererseits ist nicht von vornherein garantiert, dass das Unternehmen den Zuschlag für die Durchführung der anstehenden Arbeiten erhält, laut derzeitigem Wissensstand muss zumindest die Wiederverfüllung mit Aushubmaterial öffentlich ausgeschrieben werden.
Franz Kopf hat als Geschäftsführer des Unternehmens bei einer Informationsveranstaltung der Altacher Volkspartei Anfang 2019 öffentlich und sinngemäß gemeint, dass der Fortbestand des Unternehmens und die bestehenden Arbeitsplätze mit und ohne neuem Kiesabbauprojekt gesichert sind.

Das spricht dagegen:

Jahrzehnte lange Belastung von Natur und Umwelt
Der Kies- und Sandabbau ist laut Ansuchen der Gemeinde an die BH Feldkirch bis zum Jahr 2043 und die Wiederverfüllung mit Aushubmaterial bis zum Jahr 2053 geplant. Die Fördermenge soll laut Ansuchen mehr als doppelt so hoch sein, wie bei der bisherigen Deponie. Aufgrund dieser Tatsachen ist mit einer massiven Belastung, insbesondere des Naherholungsgebietes aber auch des gesamten Gemeindegebietes, mit Schadstoff-, Lärm- und Feinstaubemissionen zu rechnen. 
Altach ist eine der am dichtest besiedelten Gemeinden Vorarlbergs, eingequetscht zwischen Bahnlinie und Autobahn und deshalb braucht die Altacher Bevölkerung ein unverbautes und naturbelassenes Naherholungsgebiet mehr denn je.

Verkehrskollaps im Gemeindegebiet
Seit Jahren rollt der LKW-Verkehr für die Transporte zur und von der Kiesdeponie durch das Ortsgebiet der Gemeinde Altach. 
Im Zuge der Umsetzung des geplanten Projektes ist mit einer Verdoppelung des LKW Verkehrs zu rechnen. In der Verhandlungsniederschrift der BH Feldkirch vom November 2018 ist mit bis zu 23.500 LKW Fahrbewegungen jährlich zu rechnen.

Neuer Autobahnanschluss – nur ein Traum?
Bereits im Jahr 2006 hat Bürgermeister Brändle von einem möglichen Autobahnanschluss im Bereich der Raststätte gesprochen. Daraus ist bislang nichts geworden, aber auch jetzt wird wieder mit dieser Möglichkeit spekuliert. Dabei sind die Karten keineswegs besser als damals. Die von Bürgermeister Brändle in Aussicht gestellte zusätzliche Nutzung der Autobahnanbindung durch die Baumaßnahmen des Rhesi-Projektes sind nicht viel mehr als Wunschdenken. Rhesi-Projektleister Markus Mähr hat uns auf Nachfrage mitgeteilt, dass ein Autobahnanschluss für Rhesi frühestens Mitte oder Ende der 2030er Jahre erforderlich sein wird und dann nur für 2-3 Jahre.

Deshalb ist die Befürchtung, dass nach der Betriebsbewilligung des Projekts der Verkehr munter weiter durch das Ortsgebiet rollt, mehr als begründet. Zumal die vorliegende Autobahnanschluss-Variante, mit der Komplettsperre der Zufahrt zu den Rheinauen für den Individualverkehr und einer Straßenverbindung von Kopf Kies+Beton zur Autobahnauffahrt direkt entlang des Erholungsgebietes Rheinauen, alles andere als gelungen ist. Und von einer Zustimmung der ASFINAG kann zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht die Rede sein.
Auszug aus dem aktuellen Mobilitätskonzept Stand März 2019

Wiederbefüllung – schlechte Erfahrungen
Die Frage der Wiederverfüllung der riesigen Geländemulde – die Aushubtiefe beträgt 30(!) Meter – ist nicht zuletzt für die Pächter des landwirtschaftlichen Gebietes eine essentielle. 
Leider zeichnen die Erfahrungen und die Ergebnisse der letzten Aushubdeponie ein ziemlich düsteres Zukunftsbild. Aufgrund der massiven Bodenverdichtung meinte Herbert Sohm (Gemeindevertreter und Pächter des Altacher Gutshof Rheinau 1) im Rahmen einer Gemeindevertretungssitzung im Herbst 2018: "der Boden ist auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinaus nicht mehr nutzbar!"
Im Jahr 2015 hat die Agrarbezirksbehörde Bregenz den unabhängigen Experten Walter Fitz mit einer Begutachtung der damaligen Deponiefläche beauftragt. Aufgrund seiner Empfehlungen sollten wesentliche Teile der Deponiefläche saniert werden, passiert ist laut Wortmeldung von Herbert Sohm bei derselben Sitzung: "nichts!"

Bürgermeister Brändle meinte bei eben dieser Sitzung: "wir haben aus unseren Fehlern gelernt".
Dann stellt sich nur die Frage, warum wurde dann nicht gehandelt und warum soll es in Zukunft besser werden?

Dr. Walter Fitz wurde vom Umweltausschuss am 7. März 2019 zum Thema „Der Boden unsere Lebensgrundlage“ eingeladen. Auf Befragung bezeichnete er die Wiederbefüllung beim Abbaugebiet 1 (zwischen Sauwinkel und Bauernhof Familie Sohm) als Katastrophe.
Statt, wie vorgeschrieben das Abbaugebiet mit einer 30 cm starken sandigen Humusauflage zu versehen, wurden Aushubmaterial aus tieferen Schichten ohne Humus ausgebracht. Das Oberflächenwasser versickert nicht. Als Lösung wird das Gebiet über 7 Drainageleitungen in den  Koblacher Kanal entwässert, statt die Oberflächenwässer auf eigenem Grund, wie vorgeschrieben zu versickern.
Gutachten von Walter Fitz zum Nachlesen

Blick über das alte Abbaugebiet Richtung Norden, Bauernhof Familie Sohm

Ressource für die nächsten Generationen
Durch das Nichterschließen des Kies- und Sandabbaugebietes zwischen Götzner Hof und Sauwinkel erleidet die Gemeinde Altach keinen finanzielle Verlust! Die Ressource "Kies" bleibt dort wo sie ist und steht damit auch nächsten Generationen zur Verfügung. Wer weiß welche Fördermethoden oder umweltverträglichen Transportmöglichkeiten in ferner Zukunft zur Verfügung stehen oder inwieweit Rhesi die bereits bestehende Rohstoff-Knappheit entspannen kann.
Kiesstudie Land Vorarlberg zum Nachlesen

Mangelnde Transparenz
Immer wieder hat die BürgerListe Altach + Die Grünen mehr Transparenz in diesem Projekt eingefordert. Wir behaupten sogar, dass alle bisherigen Informationen ausschließlich durch unsere KLARTEXT-Aussendungen, Rundbriefe, Anfragen bei Sitzungen etc in die Öffentlichkeit getragen worden sind. 
Es ist richtig, dass die politischen Vertreterinnen und Vertreter prinzipiell über das Vorhaben informiert wurden, dass gemeinsam geologische Prüfungen und eine Kontaktaufnahme mit der Gemeinde Götzis beschlossen wurde. Wir haben aber stets betont (nachzulesen in den Ausschussprotokollen), dass das nicht als generelle Zustimmung zu diesem Vorhaben zu verstehen ist. 
Die gesamte Bevölkerung oder auch die unmittelbar Betroffenen wie Bienenzuchtverein, Gemeindegutverantwortliche, Anrainer der "LKW-Transitrouten" wurden zu keiner Zeit proaktiv informiert. Von einer Bürgerbeteiligung gar nicht zu sprechen. 
KLARTEXT Dez. 2018
RUNDBRIEF Febr. 2019

Unklare wirtschaftliche Situation
War das derzeit bestehende und aktive Kiesabbau- und Aushubdeponie-Projekt noch ein rein Altacher Thema, so stellt sich beim geplanten Vorhaben die Lage völlig anders dar. 
Die Gemeinde Götzis ist Grundeigentümer und gibt sich nicht mit Brosamen zufrieden. Ein erstes, nahezu unmoralisch niedriges Angebot der Gemeinde Altach wurde von den Götzner entschieden abgelehnt. Die derzeitige Verhandlungssituation ist völlig unklar, anscheinend wird derzeit nur auf Bürgermeister-Ebene verhandelt. 
Allerdings ist davon auszugehen, dass der Ertragsanteil für die Gemeinde Altach bei weniger als der Hälfte der bisherigen Erlöse liegen wird (unter Berücksichtigung der geplanten Fördermengen).

Nassbaggerungen und Trinkwasserversorgung
Nassbaggerungen sind umwelttechnisch ein Risiko und werden von Fachleuten sehr kritisch beurteilt. Schadstoffe können ungehindert in das Grundwasser gelangen. Die Verfüllung darf nicht mit verunreinigtem Bodenaushubmaterial (Qualitätsstufe A2-G) erfolgen. Die Gefahr einer nachhaltigen Grundwasserverunreinigung ist sehr hoch.

Das Vorarlberger Trinkwasservorsorgekonzept reicht derzeit nur bis zum Jahr 2040, darin wird dieses Gebiet nicht erwähnt. Doch für nachkommende Generation kann dieses Gebiet sehr wohl für die Trinkwasserversorgung notwendig werden.