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Vergessene Gasthäuser in Altach!

Gasthaus „Zur Mühle“? „Zum Adler“? Und das in Altach?
Ja, diese Treffpunkte für die Dorfbevölkerung gab es einmal. Von ihnen weiß wohl kaum noch einer. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an die „Eintracht“, die „Krone“, das „Schwert“ oder das „Rössle“. Die landesweite Bedeutung der Taverne „Zum Pur“ hingegen kennen zumindest die historisch Interessierten. Hier war für fast zwei Jahrhunderte sogar der politische Mittelpunkt des Landes.

Lange Zeit waren Gasthäuser ungemein wichtige Institutionen in den Gemeinden und standen dabei in Spannungsfeldern zu Politik und Kirche.

In Altach etwa spielten sich die Konflikte zwischen den eher in der Parzelle Bauern beheimateten Sozialdemokraten und Liberalen und den Konservativen und Christlichsozialen im „Dorf“ auch in den entsprechenden Gasthäusern ab.
Davon waren auch Kultur- und Sportvereine betroffen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg kam es beispielsweise nach einem Streit sogar zur Spaltung zwischen den klerikal orientierten Musikanten um Oberlehrer Albert Kopf und Pfarrer Schmid sowie den eher liberal oder sozialdemokratisch gesinnten Musikanten aus der Parzelle Bauern um Kapellmeister Josef Anton Giesinger und der großen Sippe Nachbaur. Die einen – die eher kirchlich orientierte „Bürgermusik Cäcilia“ – probten fortan in der Volksschule, die anderen – die „rote Burner Musik“ oder offiziell „Musikgesellschaft Altach“ ­– in verschiedenen Gasthäusern in Bauern. Man schreckte dabei auch nicht davor zurück, den Streit vor Gericht auszutragen.

Immer wieder gab es auch Konflikte zwischen der Kirche und einzelnen Wirte. Der Pfarrer sah in Gaststätten nicht selten einen Ort des Lasters und der Sünde. Zudem gingen nicht wenige Männer oft lieber in die „St. Nebenkirche“, wie Berichte belegen. Gasthäuser waren öffentliche Orte relativ freier Meinungsäußerung und oft der Gegenpol zur Kanzel, hier wurde politisiert und diskutiert.
Nicht umsonst war der Besuch von Gasthäusern für Geistliche lange Zeit verboten. Noch im Jahr 1834 erinnerte ein Rundschreiben des Bischofs daran, dass der „Diözesan-Geistlichkeit der Besuch der Schank- und Wirthshäuser, außer auf Reisen und in Nothfällen, verbothen“ sei.

Unser Dorf hat viel von seiner ehemaligen dichten Gasthausstruktur verloren, nur wenig Neues ist mit dem Gasthaus Hahn oder dem Café Suki – dazu gekommen. Wir unternehmen daher eine von Dr. Harald Walser, dem Mitherausgeber des Altacher Heimatbuches, geführte Fahrradtour, bei der wir die Orte besuchen, an denen diese Gaststätten existierten, erzählen von ihrer gesellschaftlichen, kulturellen und teilweise auch politischen Rolle im Dorfleben und beenden die Fahrt dann mit einem geselligen Beisammensein. Natürlich in einem Gasthaus.

Treffpunkt: Vorplatz der ÖBB-Haltestelle
Zeit: Sonntag, 17. September, 15:30
Dauer ca. eineinhalb Stunden

Bei Schlechtwetter verschieben wir die Tour auf den 1. Oktober
Bei wechselhafter Witterung informieren wir am Veranstaltungstag auf unserer Website über Durchführung oder Verschiebung.